Die Atombranche geht in die Offensive: Die Anlagen sollen laufen, solange sie sicher sind. Und der Bau neuer Kernkraftwerke bleibt eine Option.
Im Streit um längere Laufzeiten für deutsche Kernkraftwerke geht die Atombranche in die Offensive: "Ich frage mich, was sich dieses Land noch alles leisten will", sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Ralf Güldner, der Süddeutschen Zeitung. Das Abschalten wirtschaftlicher Kraftwerke gefährde die Versorgungssicherheit.
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Zoff um die Laufzeiten: Das Deutsche Atomforum verschärft den Ton. (© dpa)
Der Atombranche rennt nach monatelangen Auseinandersetzungen innerhalb der schwarz-gelben Koalition die Zeit davon. Schon jetzt stehen vier der 17 deutschen Kernkraftwerke kurz vor der Abschaltung. Bliebe es beim rot-grünen Atomausstiegsbeschluss von 2001, wären sie theoretisch spätestens im kommenden Jahr fällig. Nun meldet sich die Branche mit einem dringenden Appell zu Wort. Noch im Herbst müsse der Beschluss über verlängerte Laufzeiten fallen, fordert Atomforums-Präsident Güldner. "Das ist für einige Anlagen die letzte Chance. Sie müssten sonst vom Netz genommen werden." Das Atomforum ist die wichtigste Lobby-Organisation der Branche, es wird maßgeblich getragen von den vier Betreiberkonzernen Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW. Die Unternehmen hatten sich in jüngster Zeit bewusst zurückgehalten, um die Atomdebatte nicht unnötig zu befeuern.
Das Atomforum wagt sich nun erstmals seit langem aus der Deckung. So fordert Güldner von der Bundesregierung eine unbefristete Öffnung der Laufzeiten. "Ich sage: Lasst die Anlagen solange laufen, wie sie sicher sind und ihren Beitrag liefern." Die Koalition hatte zuletzt erbittert darüber gestritten, ob die Verlängerung eher vier, acht oder etwa 15 Jahre umfassen sollte. Bislang ist die Laufzeit der Akw rein rechnerisch auf 32 Jahre begrenzt. Güldners Forderung liefe dagegen auf Gesamtlaufzeiten von rund 60 Jahren hinaus, wie sie etwa in den Niederlanden oder den USA zulässig sind. Innerhalb der Bundesregierung gilt eine solche Verlängerung allerdings als chancenlos.
Auch bei der geplanten Abschöpfung zusätzlicher Gewinne liegt die Branche derzeit mit der Bundesregierung über Kreuz. Von einer Brennelementesteuer, wie sie die Koalition schon vom kommenden Jahr an erheben will, möchte das Atomforum jedenfalls nichts wissen. Sie gefährde den wirtschaftlichen Betrieb der AKW, sagt Güldner der SZ. "So, wie es im jetzt bekannten Gesetzentwurf steht, lehnen wir das ab." Die Steuer soll dem Bund einem Gesetzesentwurf zufolge ab 2011 jährlich 2,3 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Die Abgabe drohe die Branche zu erdrosseln, warnt das Atomforum. Notfalls müssten die Unternehmen die Gerichte bemühen. "Wir würden es begrüßen, wenn ein Rechtsstreit mit der Bundesregierung vermieden werden kann", so Güldner.
Widerstand in den Bundesländern
Die Branche hatte zuletzt mehrfach darauf hingewiesen, die Steuer verstoße gegen EU-Recht. Auch berufen sich die Unternehmen auf die Abmachungen rund um den Atomausstieg, die weitere Belastungen der Atomenergie ausgeklammert hätten. Allerdings zieht die nächste schwierige Rechtsfrage schon auf. Sollte der Bund nämlich das Atomgesetz ändern, um längere Laufzeiten zuzulassen, haben schon mehrere Bundesländer ihren Widerstand angekündigt. Sie pochen auf eine Beteiligung des Bundesrates - in dem die schwarz-gelbe Regierungskoalition seit der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen keine Mehrheit mehr hat.
Juristen kamen zuletzt in Gutachten zu sehr unterschiedlichen Auffassungen darüber, ob das Laufzeit-Plus der Zustimmung der Länder bedarf oder nicht. Zumindest für Güldner aber liegt die Sache klar. Da sich die Aufgaben für die Länder nur quantitativ erhöhten, müssten diese der Novelle auch nicht zustimmen. "Es wäre im Übrigen auch ironisch, wenn die Länder ohne Kernkraftwerke im Bundesrat über die bestimmen, die welche betreiben." Auch innerhalb der Bundesregierung ist diese Frage umstritten. Regierungsgutachten hatten allerdings empfohlen, angesichts der Unsicherheit eher eine moderate Verlängerung anzustreben.
Dagegen schließt der Chef des Atomforums langfristig nicht einmal den Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland aus.
"Dieses Thema steht nicht an", sagte Güldner, "aber vielleicht müssen wir in 20 Jahren aus Gründen des Klimaschutzes und der Versorgungssicherheit auch über den Neubau von Kernkraftwerken sprechen.
" Er halte ihn jedenfalls "nicht grundsätzlich für ausgeschlossen". Die geforderten langen Laufzeiten dürften die Branche indes wegen neuer Sicherheitsauflagen teuer kommen. Für jedes Kraftwerk rechnet sie mit einem zwei bis dreistelligen Millionenbetrag. Das rechne sich nur bei entsprechend langen Laufzeiten, so Güldner.
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(SZ vom 29.07.2010/mel)
Rede von Rebecca H., MdEP, vor dem Europäischen Parlament anlässlich zweier Berichte zur Stilllegung von Atomkraftwerken, am 16.11.2005
()Wir können zum Beispiel in Deutschland heute davon ausgehen, dass 30 Milliarden Euro von der Atomindustrie tatsächlich zurückgestellt wurden. Wo diese Gelder sich derzeit befinden, kann man allerdings nicht sagen, weil diese Summe – 30 Milliarden, immerhin so viel wie das Bruttosozialprodukt aller baltischen Staaten in einem Jahr zusammen genommen – für Einkaufstouren innerhalb und außerhalb unseres Kontinents genutzt wird. Man kauft gerne andere Energieversorgungsunternehmen auf, man kauft aber auch gern im Wasserbereich oder in der Telekommunikation – eigentlich in allen Branchen mit Netzcharakter. Das Geld muss arbeiten, höre ich immer, wenn wir uns darüber auseinandersetzen. Aber auch in Deutschland kann mir derzeit niemand garantieren, dass die Milliarden, die wir im Jahre 2030, 2040 oder 2050 brauchen werden, dann tatsächlich auch verfügbar sein werden. Ich bin der Meinung, dass wir uns einerseits für eine sichere Verfügbarkeit der Entsorgungsmittel einsetzen müssen, ich bin andererseits der Auffassung, dass der marktverzerrenden, wettbewerbsverzerrenden Nutzung dieser Rückstellungsmittel, die ja einmal mit dem Zweck der Rückstellung geschaffen worden sind, beim Stromkunden abgeholt worden sind, Einhalt geboten werden muss.
Also sind es nur 30 Milliarden Euro (wenn überhaupt vorhanden Zu geschätzten 600 Milliarden Euro für den Rückbau!Ich gehe mal davon aus das Frau Rebecca H. das Europäische Parlament nichts falsches Berichtet!
Wie Sie als alter Kraftwerkkenner wissen, ist es vom "geodätischen Druck" her wurscht, wo der Einlass ist (solange er genug Wasser bekommt). Wichtig ist, wo die Turbine sitzt ;)
Der Einlauf von einem Wasserkraftwerk ist weder da, wo Eisschollen und Baumstämme herumtreiben, u.a. deswegen, weil sonst bei jeder Pegelschwankung das Kraftwerk Luft ziehen würde (...) noch da, wo der ganze Schotter und Kies abgelagert wird. Vermutlich irgendwo dazwischen.
Falls also mal jemand was gehört hat, dass die Wasserkraftwerke im Winter weniger Strom liefern, dann könnte er die Gründe dafür auf den Feldern suchen, wo die Niederschläge in Form von Schnee herumliegen.
Übrigens, wenn unsere mutigen Atomfreunde in Frankreich so auf ihre Technik vertrauen, warum stehen dann so viele Atomanlagen direkt an der Küste oder an der Grenze (vorzüglich an der Grenze, an der der Wind meistens landauswärts weht)?
Ein Wasserkraftwerk hat den Einlauf Üblicherweise nahe dem Flussbett, weil dort der geodätische Druck am höhsten ist. Ich habe noch Nie gehört, das ein Fluss oder See von unten nach oben zufriert...
Auf dem Staatsgebiet Frankreichs gibt es 59 Kernkrafttechnische Anlagen. Zeigen sie mir einen Europafranzosen der nicht in der nähe einer Solchen Anlage lebt .
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