Arizona plant ein Gesetz gegen illegale Einwanderer - Kritiker sprechen von Nazi-Methoden. Jetzt haben die Gegner der Neuregelung einen Teilerfolg errungen. Doch die Befürworter wollen den Gerichtsbeschluss nicht hinnehmen.
Die Umgebung der mexikanischen Stadt Nogales ist beliebt bei Leuten, die ohne gültige Papiere in die Vereinigten Staaten von Amerika wollen. Die eine Seite der Stadt liegt im mexikanischen Bundesstaat Sonora, die andere im US-Bundesstaat Arizona. Jenseits der Grenze ist es nicht mehr weit nach Phoenix, Tucson oder Las Vegas, wo möglichst viele billige Arbeitskräfte mit möglichst wenig Rechten gebraucht werden. Schlepper, sogenannte Polleros, verdienen ein Vermögen mit dem Menschenschmuggel von Süd nach Nord. Das soll sich ändern, wenn das Gesetz SB1070 in Kraft tritt, das in Mexiko verrufen ist als Ley Arizona, Arizona-Gesetz.
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Amerikanisch-mexikanische Grenze in Nogales: Der Streit um das Einwanderungsgesetz von Arizona wird immer erbitterter geführt. (© AP)
Immigranten werden dann beim kleinsten Verdacht überprüft und abgeschoben, Betroffene rechnen mit dem Schlimmsten. "Das Arizona-Gesetz wird Gewalt und Hunger bringen", warnt die Zeitung El Universal, von beidem hat Mexiko bereits genug. Funktionäre und Menschenrechtler fürchten ein humanitäres Desaster.
Gerichte bearbeiten Einsprüche aus Washington und Mexiko-Stadt; die Regierungen der Präsidenten Barack Obama und Felipe Calderón wollen das Gesetz mit einstweiligen Verfügungen stoppen. Am Mittwoch erzielten sie einen ersten Erfolg: Ein US-Bundesgericht setzte in erster Instanz die entscheidende Passage außer Kraft, wonach die Polizei bei "begründetem Verdacht" bei jedem Menschen kontrollieren muss, ob er illegal im Land ist. Abgeordnete in Phoenix kündigten sofort an, dass sie Einspruch erheben werden. Letztlich könnte die Angelegenheit beim Supreme Court landen, dem höchsten Gericht der USA.
Zuvor hatten Zehntausende gegen den Beschluss der republikanischen Gouverneurin Janice Brewer protestiert. Doch sie wollte beim Stichtag 29. Juli bleiben; danach hätte die Polizei von Arizona jeden prüfen und verhaften dürfen, der irgendwie ausländisch aussieht. Fremde sind nach dem Entwurf potentiell kriminell. "Das neue Rassistengesetz des Staates Arizona fügt Unschuldigen Schaden zu", schrieb der Schriftsteller Carlos Fuentes. Jeder Dunkelhäutige, "mit Schnauzbart oder nicht", müsse "immer seine Dokumente dabei haben", so Fuentes. "Wie alle verfolgten Gruppen. Wie die Juden im Nazideutschland."
Seit Wochen berichten Mexikos Medien von Razzien und rechtsradikalen Flüchtlingsjägern in Arizona, wo jeder Dritte hispanischen Ursprungs ist und die meisten Lateinamerikaner als Bauarbeiter, Putzhilfen oder Gärtner arbeiten. In Kürze könnte es noch ärger kommen. Ungefähr 400.000 Latinos stehen allein in Arizona vor dem Rauswurf, geschätzte 100.000 sollen das Gebiet wegen der verschärften Vorschriften in den vergangenen drei Jahren verlassen haben. "Arizona wird ein tragischer Staat angesichts der diskriminierenden Aktionen gegen jeden Ausländer", glaubt der Jurist Iván Espinoza Madrigal. "Es wird getrennte Familien geben, Migranten werden Angst haben, ihre Kinder in die Schule zu schicken, sie werden keine Krankenhäuser mehr aufsuchen." Der mexikanische Staat Sonora rechnet mit einer Flut von Rückkehrern.
Lesen Sie weiter, welche Risiken illegale Immigranten schon jetzt eingehen, wenn Sie die Grenze zwischen Mexiko und den USA überqueren.
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In diesem Artikel:
- Einwanderung in die USA Heißes Pflaster für Latinos
- USA und Einwanderung Barack Obama hat neue Helfer - rechte Christen
- Einwanderungsdebatte in den USA Die Causa Americana
- Einwanderungsgesetz in Arizona "Ich will diese Schlammschlacht"
- Arizona Streit um das Einwanderungsrecht
- US-Sheriff Arpaio Wer fernsehen will, muss strampeln
Ausrutscher im Bundestag
Anna Chapman und Co.
Verena Becker und die anderen
George W. Bush
Der Westerwelle-Test
Quiz zu Abkürzungen
Menschenrechts-Quiz
Berlusconi-Quiz
Das Barack-Obama-Quiz
...versuchte ich bereits gestern sachlich, Punkt für Punkt zu beantworten - mein Kommentar wurde aber, wie ich hiermit feststelle, willkürlich aus keinem mir vorstellbaren Grund gelöscht.Ich habe leider keine Kopie davon und auch keinerlei Lust, eine Antwort im einzelnen erneut auszuformulieren. Dieses Forum macht keinen Spaß mehr.Was denkt sich die SZ eigentlich - die Technik desolat, die Zensur völlig daneben.
Nur soviel zum Thema: Auch wenn das Gesundheitssystem billiger wäre,rechtfertigt es doch nicht, daß illegale Einwanderung das bleibt, was sie ist: illegal.Andere Einwanderungswillige warten jahrelang, bis sie legal einwandern können, aber an der Südwestgrenze der USA soll Illegalität plötzlich akzeptabel sein und quasi als Anspruch bestehen, nur weil die Gesetze massenhaft gebrochen werden?
Ich habe die Fragen von HernnDieter Wondrazil sachlichst beantwortet.Keinerlei Ausfälligkeit.
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@Expat:
Sie stellen die falschen Fragen:
1. Wieso sind bei einem Bevölkerungsanteil von ~6-7% "Illegalen" die Krankenhäuser am Ende?
2. Wieso ist der Gesundheitssystem *überhaupt* so desolat, obwohl es das weltweit *teuerste* ist?
3. Wieso sind die Kosten für Medikamente in USA so exorbitant höher also irgendwo sonst?
4. Wer profitiert vom derzeitigen System?
Diese Fragen sollten Sie stellen!
...sind äußerst lückenhaft.
1. Illegale Einwanderer haben in den USA keine Krankenversicherung, müssen aber in JEDER Ambulanz eines öffentlichen Krankenhauses (ohne daß man Fragen stellt) OHNE Bezahlung behandelt werden.Von wem werden die Krankenhäuser wohl finanziert? Richtig! Vom örtlichen Steuerzahler.Viele örtlichen Krankenhäuser sind dem Ansturm nicht bezahlender Patienten inzwischen nicht mehr gewachsen.
2. Illegale Einwanderer senden ihre Kinder auf die öffentlichen Schulen. Wer finanziert die Schulen? Richtig! Die einzelnen Kommunen (nicht der Staat, wie in DE), also der Steuerzahler in den Kommunen.
3. Illegale Einwanderer zahlen keine Lohnsteuer, sondern beziehen Schwarzgeld.(In der Tat, sie verstecken sich - auch vor dem Fiskus). Wer wird dadurch geschädigt? Richtig! Die ehrlichen Steuerzahler.
Daß auch Unternehmer , die Illegale anstellen, dadurch Steuern hinterziehen, steht außer Zweifel.Schwarzarbeit ist für beide Seiten lukrativ (siehe auch DE).Der Skandal ist, daß gegen Schwarzarbeit nicht nur nichts unternommen wird, sondern daß sie sehenden Auges geduldet wird, denn wenn man die bereits bestehenden Gesetze durchsetzen würde, bräuchte man keine neuen Gesetze wie das in Arizona, das aus der Untätigkeit der Bundesregierung geboren wurde.
In amerikanischen Blogs wird oft geklagt, daß die Illegalen den Arbeitsmarkt für Amerikaner ruinieren, weil man ihnen nicht mal den Mindestlohn zahlen muß. Wenn Sie arbeitsloser Amerikaner wären, würden Sie das gut finden? Ja,ja ,ich weiß, jetzt kommt das Argument, Amerikaner wollten die "Drecksarbeit", die Illegale verrichten, nicht verrichten. Stimmt - allerdings mit der Einschränkung, daß Amerikaner dies ablehnen, wenn ihnen nicht mal der Mindestlohn gezahlt wird. Ist das ein übertriebenes Ansinnen an einen Arbeitgeber? Ist es ein übertriebenes Ansinnen an den Staat, illegale Arbeitsverhältnisse zu unterbinden - auch mit Razzien in den Betrieben? Aber nein, das wäre ja "racial profiling".
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