131 Tage saß Jörg Kachelmann in einem Mannheimer Gefängnis in Untersuchungshaft. An diesem Donnerstag hat nun ein Gericht seine "umgehende Freilassung" angeordnet. In einem weißen Shirt verließ der TV-Moderator die JVA Mannheim.
Als Jörg Kachelmann am 20. März am Frankfurter Flughafen festgenommen wurde, geschah dies in aller Heimlichkeit. Erst zwei Tage später erfuhr die Öffentlichkeit von der Verhaftung des Wettermoderators und dem Vorwurf der Vergewaltigung.
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Hocherhobenen Hauptes und in einem weißen Langarmshirt verließ Jörg Kachelmann nach 131 Tagen Untersuchungshaft die JVA Mannheim. (© ddp)
Heute nun, mehr als vier Monate später, wird der 52-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen. Und Dutzende Fernsehkameras und Journalisten wollen dabei sein, wenn Kachelmann durch das grüne Tor des Mannheimer Gefängnisses den Schritt zurück in die Freiheit tut.
Wie wird er aussehen - nach 131 Tagen hinter Gittern? Was wird er sagen?
Um 13:34 tritt ein schmal gewordener Jörg Kachelmann hinter seinem Anwalt Reinhard Birkenstock durch das Tor. Den wartenden Journalisten dreht der Wettermoderator den Rücken zu, umarmt zum Abschied einen Beamten.
Dann wendet sich sein Anwalt an die Pressevertreter: Herr Kachelmann werde heute keine Erklärung abgeben. Im Hintergrund reckt Kachelmann das Kinn in die Luft. Ein feines Lächeln umspielt seinen Mund.
"Die Unschuldsvermutung ist wieder auferstanden", sagt Birkenstock.
Kein dringender Tatverdacht mehr, keine Fluchtgefahr
Um halb zwölf hatte das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe verkündet: Der Haftbeschwerde des Schweizer Moderators sei stattgegeben worden, das Gericht ordnete seine "umgehende Freilassung aus der Justizvollzugsanstalt Mannheim" an. Noch am 1. Juli hatte das Landgericht Mannheim einen von Kachelmanns Kölner Anwälten eingebrachten Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls zurückgewiesen.
Nun die Wende: Kein dringender Tatverdacht mehr, keine Fluchtgefahr. In den Wochen vor der Entscheidung des OLG hatte sich bereits die mediale Bewertung der Causa Kachelmann verschoben. Das vermeintliche Opfer, eine - aber bei weitem nicht die einzige - Lebensgefährtin des Schweizers erschien zunehmend unglaubwürdig.
War Kachelmann das Opfer der Racheaktion einer zutiefst verletzten und gedemütigten Frau?
"Ich bin unschuldig", hatte der Wettermoderator bei einem Haftprüfungstermin vier Tage nach seiner Festnahme den anwesenden Journalisten zugerufen. Auf den Bildern vom 24. März trägt Kachelmann ein schwarz-weiß gestreiftes Hemd unter seiner Lederjacke. Das Gericht glaubte seinen Beteuerungen damals nicht - er blieb hinter Schloss und Riegel.
Bei der Nebenklägerin könnten "Bestrafungs- und Falschbelastungsmotive nicht ausgeschlossen werden". Zudem habe sie "unzutreffende Angaben gemacht", schreibt das OLG in seinem heutigen Beschluss "in der Sache Jörg Kachelmann".
Was der Mensch Jörg Kachelmann während der vergangenen Monate durchgemacht hat, darauf gaben heute weder er selbst noch sein Anwalt eine Antwort. Nach nicht einmal fünf Minuten steigt Kachelmann in einen schwarzen Geländewagen. Die Freiheit wartet auf den Mann im weißen Langarm-Shirt.
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(sueddeutsche.de/jobr/hai)
"War Kachelmann das Opfer der Racheaktion einer zutiefst verletzten und gedemütigten Frau?"
Oder war Kachelmann das Opfer der Racheaktion einer rachsüchtigen Megäre, eines Staatsanwaltes, der offenkundig nicht über ein intaktes Beurteilungsvermögen verfügt und eines Haftrichters, der sein Amt nicht ordnungsgemäss ausübte?
Jetzt wird´s psychologisch. Dahinter stecken bei jedem der Beteiligten Motive, die dem Bild des rational denkenden Menschen keineswegs entsprechen. Das muss man sich mal in den Konsequenzen mal vorstellen: die Irren hausen in der Staatsanwaltschaft (alle Frauen sind gut und edel und lügen nie) und im Gericht (jeder mit mehreren Freundinnen ist generell ein Täter, weil für mich keine übrigbleibt).
Bei der Nebenklägerin könnten "Bestrafungs- und Falschbelastungsmotive nicht ausgeschlossen werden".
Tatsache ist ja wohl, dass die Nebenklägerin ein Anrecht darauf hatte, nicht nach Strich und Faden von Herrn Kachelmann verar...t zu werden. Denn das Einverständnis bei "Rollenspielen" basiert nun einmal auf der Gewährung eines riesigen Vertrauensvorschusses.
Die Justiz steht eindeutig vor Neuland, nämlich der Eskalation eines Rollenspieles, welches zu erforschen durch den Prominentenstatus von Herrn Kachelmann absolut erschwert wurde.
Kachelmann hat deshalb keine Träne verdient. Für das, was ihm durch seine Neigungen bisher an Nachteilen entstanden ist, gibt es nicht den mindesten Grund, entschädigt zu werden. Im Gegenteil, noch ist Kachelmann lange nicht so unschuldig, wie er mit dem weissen Shirt als Machtmensch bei seiner Entlassung zu demonstrieren versuchte.